Den Hund extra auslasten oder: Warum das meist keine gute Idee ist.

Man müsse Hunde möglichst stark ‚auslasten‘, liest man auf Social Media ständig. Was dieses Auslasten eigentlich genau ist, wird oft nicht erläutert, fix ist jedoch:
Die Hunde, deren Besitzer:innen immer von der ach so nötigen Auslastung reden, sehen auf den Videos meist nicht unterfordert, sondern extrem überdreht aus, kommen abends daher nicht zur Ruhe und zwar weil sie – so der vermeintlich logische Schluss – zu wenig ausgelastet werden.

Das Spannende ist aber: Hunde, die weder zwischendurch noch abends zur Ruhe kommen, sind nicht unter-, sondern meist massiv überfordert. (Ich meine hier explizit nicht spezielle Arbeitsrassen, die vermutlich wirklich andere Ansprüche haben, sondern den ganz normalen durchschnittlichen Familienhund.)

Hunde ruhen oder schlafen tagsüber bis zu 18 Stunden, weniger Ruhe bedeutet für Hunde Stress – ähnlich wie bei Kleinkindern: Auch die brauchen gegen Abend Ruhe, damit sie einschlafen können, auch da zeigt uns Social Media ein komplett verzerrtes Bild.

Wenn dein Hund etwa mit dir in einem Kaffeehaus ist und gemütlich dösend auf einer Decke liegt, zählt das als Ruhephase, als wachsames Dösen. Es zählt aber AUCH als Aufregung, es erfordert Impulskontrolle und ist damit anstrengend. Und sehr wahrscheinlich braucht dein Hund danach eher Erholung als einen ausgedehnten Spaziergang oder ein Schnüffelspiel.

Wenn dein Hund also abends extrem überdreht ist, geh nicht raus, spiel nicht, kram kein Intelligenzspielzeug hervor, sondern: Schick den Hund schlafen.
Wirklich, kein Scherz.

Wer den eigenen Hund am Leben teilhaben lässt, lastet ihn übrigens sowieso genügend aus. Fenja z.B. ist abends ab 19:30 spätestens im Schlafmodus, liegt mit uns am Sofa oder pennt tief und fest in ihrer Box. Warum? Weil sie tagsüber so viel erlebt und trotzdem so viel rasten kann, dass sie abends gemütlich ins Bett gehen kann.
Sie ist eigentlich immer mit mir unterwegs – von der morgendlichen Gassirunde geht’s in Büro, dort ist abwechselnd Action und Ruhe, nachmittags gibt’s wieder eine Gassirunde, oft lernen wir auch für die Ausbildung, trainiert wird eigentlich täglich … das ist eher zu viel sogar, ich achte deswegen extrem auf Pausen. Und darauf, dass sie abends schlafen geht.

Und voila: Der Hund braucht keinen Extra-Auslastungs-Schnickschnack.

So sieht Fenja nach einem gemeinsamen Tag um 18:30 aus:

Total entspannt. :)

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